
Der Gerichtshof der Europäischen Union hat in der Rechtssache C-440/23 klargestellt, dass Online-Spieler in Deutschland unter bestimmten Bedingungen Einsätze zurückfordern können, die sie bei nicht lizenzierten Anbietern verloren haben; dies gilt auch dann, wenn die nationalen Vorschriften zwischenzeitlich geändert wurden. Das Urteil stützt zivilrechtliche Ansprüche auf Rückerstattung gegenüber Betreibern von Online-Slots oder Wetten ohne gültige Genehmigung, während es gleichzeitig bestätigt, dass das Unionsrecht nationale Regelungen nicht ausschließt, die solche Klagen ermöglichen.
Deutsche Spieler hatten in der Vergangenheit Einsätze bei Plattformen platziert, die zum Zeitpunkt der Transaktionen keine Erlaubnis nach deutschem Recht besaßen; mehrere dieser Nutzer wandten sich später an Gerichte, um ihre Verluste zurückzuerhalten. Nationale Vorschriften erlaubten in manchen Fällen die Geltendmachung von Rückforderungsansprüchen, obwohl die Betreiber argumentierten, spätere Liberalisierungen hätten die ursprüngliche Rechtswidrigkeit beseitigt. Der Europäische Gerichtshof prüfte, ob diese nationalen Bestimmungen mit dem Unionsrecht vereinbar sind, und stellte fest, dass das EU-Recht derartige zivilrechtliche Mechanismen nicht verbietet.
Das Gericht stellte in seiner Pressemitteilung klar, dass Spieler die Rückzahlung von Einsätzen verlangen können, solange die betreffende Tätigkeit zum Zeitpunkt der Teilnahme nach deutschem Recht verboten war. Die Richter betonten, dass eine nachträgliche Änderung der Gesetzeslage den ursprünglichen Anspruch nicht automatisch erlöschen lässt; Betreiber ohne Lizenz bleiben daher grundsätzlich haftbar. Die Entscheidung bezieht sich ausdrücklich auf Angebote wie Online-Slots und Sportwetten, die ohne die erforderlichen Genehmigungen angeboten wurden. Urteil des Gerichtshofs in der Rechtssache C-440/23 enthält die vollständige Begründung und wurde im April 2026 veröffentlicht.
Spieler, deren Verluste in die Zehntausende gehen können, erhalten nun eine zusätzliche rechtliche Grundlage, um Forderungen gegenüber nicht autorisierten Plattformen geltend zu machen. Mehrere deutsche Gerichte haben bereits ähnliche Klagen anhängig gemacht, und das EuGH-Urteil liefert ihnen eine klare Orientierung. Betreiber sehen sich mit potenziell erheblichen finanziellen Verpflichtungen konfrontiert, falls zahlreiche Rückerstattungsansprüche erfolgreich durchgesetzt werden. Die Entscheidung ändert jedoch nichts an der Pflicht, dass neue Angebote den aktuellen Lizenzanforderungen entsprechen müssen.

Das deutsche Glücksspielrecht hat seit 2021 eine schrittweise Neuregelung erfahren, doch Fälle aus der vorherigen Verbotsperiode bleiben weiterhin relevant. Das Urteil des EuGH bestätigt, dass Mitgliedstaaten eigene zivilrechtliche Instrumente zur Durchsetzung von Verboten beibehalten dürfen. Beobachter verfolgen nun, wie deutsche Instanzgerichte die Vorgaben in laufenden Verfahren umsetzen werden. Bis Juni 2026 könnten erste Musterurteile vorliegen, die die praktische Reichweite der EuGH-Entscheidung verdeutlichen.
Die Rechtssache C-440/23 schafft damit eine verbindliche europäische Leitlinie für die Behandlung von Rückerstattungsansprüchen im Online-Glücksspielbereich. Deutsche Spieler können unter den genannten Voraussetzungen weiterhin zivilrechtlich gegen nicht lizenzierte Anbieter vorgehen, während die Betreiber mit anhaltenden Haftungsrisiken rechnen müssen. Die Entwicklung bleibt für alle Beteiligten von Bedeutung, da sie die Schnittstelle zwischen nationalem Verbot und europäischem Binnenmarkt präzisiert.